Freitag, 27. April 2018

Meine Welt ist bunt ... oder: 7,5 Wochen

Guten Morgen und einen sonnigen Freitag wünsche ich euch! :-)

Was ich mit der Überschrift sagen will? Da kommen wir gleich zu. ;-)

7,5 Wochen ist es her, dass ich dieses Foto gemacht habe. Den Baum, den ich in den letzten Wochen jeden Tag sehen durfte. 


7,5 Wochen ... unglaublich, wie schnell die Zeit vergangen ist und noch viel unglaublicher, was in dieser Zeit so alles passiert ist! 

Als ich vor 7,5 Wochen in mein "Zuhause auf Zeit" gezogen bin, hatte ich einen dicken Angst-Knoten im Bauch und gefühlte eine Million Fragen im Kopf. Ich hatte keine Ahnung, was auf mich zukam und ich war zutiefst verunsichert. 
Und dann war da dieser Baum ... Dieser alte Baum hat mich vom ersten Moment an fasziniert. Er strahlte so viel Ruhe aus, so viel Sicherheit. Sicherheit, die ich ganz dringend brauchte. Und genau das hat dieser Baum mir gegeben. Vom ersten bis zum letzten Tag. 
Ich weiß nicht, wie oft ich auf seinen Wurzeln gesessen habe, den Rücken an den Stamm gelehnt. Bei Regen, bei Sonne, bei Tag und auch bei Nacht. Ich habe nachgedacht, gegrübelt, ich habe die Sterne beobachtet, die Vögel, die Kaninchen (es gibt da gaaaanz viele und sie sind so süß!). Ich habe dort gesessen, Musik gehört und geschrieben. 
Ich habe mich beschützt gefühlt. Und glücklich. 
Ja, je mehr Zeit verging, desto mehr konnte ich sowas wie Glück und Freude wieder fühlen. 

Und nun ... 

7,5 unglaubliche Wochen liegen hinter mir. 

Die ersten Tage war ich komplett überfordert - so viele Menschen! Und das mir, wo ich doch so gern mit mir (und der Wauz ... ;-) ) allein bin. 
Aber dann habe ich gemerkt, wie herzlich alle sind. Ich hatte das Gefühl, willkommen zu sein. Als würden die Leute sich freuen, dass ich da war. ICH! 

Die Ärzte, das Pflegeteam, die Therapeuten - sie alle waren immer für mich da. Sie hatten zu jeder Zeit ein offenes Ohr und haben mir (und allen anderen Patienten!) mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Ich glaube, ich habe in meinem Leben selten so viel in so kurzer Zeit gelernt. Über mich, über mein Leben, über das, was ich möchte - und auch das, was ich nicht (mehr) möchte, über den Umgang mit diesen "grauschwarzbunten Regenbogentagen". Ohne sie alle hätte ich das niemals geschafft. 
(Und falls einer von Ihnen zufällig diesen Blog liest - ich kann mich gar nicht genug bedanken! Sie sind so großartig in Ihrem Job! DANKE!!!)

Ich habe Menschen kennengelernt, die mir zu Freunden geworden sind und mit denen ich sicher noch ganz lange Kontakt haben werde. 
Und Menschen, die ich ganz fest in meinem Herzen trage und die ich nie wieder aus meinem Leben lassen möchte. (Du weißt, dass du gemeint bist ... ;-) )

Ich habe gelacht, bis ich keine Luft mehr bekommen habe, ich habe geheult wie ein Baby. Ich war wütend - und habe gelernt, dass ich es sein darf. Ich habe sämtliche Emotionen durchgemacht, aber das gehört wohl dazu ... ;-)

Allerdings habe ich nicht nur neue Menschen dazu gewonnen, ich habe mich auch von Menschen verabschiedet. Innerlich ebenso wie äußerlich. 
Ich möchte niemanden mehr in meinem Leben haben, der so tut, als wären wir Freunde, während er hinter meinen Rücken schlecht über mich redet. Der anderen erzählt, dass er sich nur mit mir abgibt, weil ich ihm nutze. Jemanden, der mich verantwortlich macht, weil er selbst mit seiner Gefühlswelt nicht klar kommt. Der mich manipuliert, damit ich in seinem Sinne "funktioniere" ...

Früher dachte ich mal, ich wäre nicht gut genug für manche Menschen. Nun weiß ich, manche Menschen sind nicht gut genug für mich! 
Und wisst ihr was? Ich fühle mich total erleichtert, diesen Ballast los zu sein. :-) 

Natürlich ist nicht jeder Tag gleich, es gibt gute und schlechte Tage, aber haben wir die nicht alle? ;-) 

Manche meiner Tage sind grau oder auch mal schwarz, dennoch habe ich gelernt, dass diese Tage dazu gehören. Ich habe gelernt, dass auch diese Tage ihr Gutes haben, denn sie bringen mich zurück zum wichtigsten Menschen meines Lebens - zu mir selbst! 

Und die wichtigste Lektion war wohl, dass ich gelernt habe, auf mich selbst zu achten. Für mein Wohlbefinden zu sorgen. 

Im Großen und Ganzen kann ich genau das sagen, was oben schon steht. 

Meine Welt ist wieder bunt! 

Und ich werde alles daran setzen, dass es auch so bleibt. 

Denn ICH bin der wichtigste Mensch meines Lebens. Und ich muss dafür sorgen, dass es mir gut geht. Immerhin muss ich mich für den Rest meines Lebens ertragen. ;-) 

Der Baum, der mich in den letzten Wochen jeden Tag begleitet hat, sieht nun so aus. Genau wie meine Welt ist auch er in den letzten Wochen bunt geworden. 




Gestern habe ich mich verabschiedet - mit einem lachenden Auge und einem weinenden. Vom Baum und auch von den vielen wundervollen Menschen.
Denn trotz allem war es eine großartigen Zeit auf die ich mit Sicherheit immer gern zurückblicken werde. 

Ich wünsche euch ein tolles Wochenende - und kümmert euch gut um euch selbst! 

Eure Juli









Freitag, 20. April 2018

Normal anders? Oder anders normal?



Neulich sagte jemand zu mir: "Du bist anders als andere Frauen!" 

Ich muss zugeben, im ersten Moment ging mir der Ar*** ein wenig auf Grundeis. ;-) Anders? Was heißt denn anders? Und ist das jetzt gut? Oder eher schlecht? 

Ich hab - natürlich - nachgefragt und bekam als Antwort: "Na ja, halt nicht wie andere Frauen. Du bist nicht so normal, du bist halt anders." 

Okay, den Rest des Gesprächs erspare ich euch, nur so viel: Dieser Satz kam von einem Mann und er meinte ihn als absolutes Kompliment. :-)

Ich hab mich total darüber gefreut, dass ich so wahrgenommen werde. Allerdings wäre ich nicht ich, wenn ich nicht über solche ungewöhnlichen Sätze - oder besser Komplimente - nachdenken würde. 
Dabei ist mir etwas aufgefallen. Egal wo, ob im realen Leben, auf Facebook, Instagram oder sonstwo bezeichnen die Leute sich selbst als "anders". Wenn irgendwo etwas gepostet wird, dass normal ja langweilig wäre, schrei(b)en die Menschen "Ich bin froh, dass ich anders bin!" 

Aha ... okay! Jeder ist anders, keiner ist normal. 
Was für eine Reisenüberraschung! - Sorry, Ironie ist schwierig zu schreiben, stellt euch einfach mein Grinsen und das Augenzwinkern dazu vor ... ;-) 

Ich meine, natürlich ist jeder anders. Schließlich sind wir alle Individuen und niemand möchte gern in eine Schublade gesteckt werden. Allerdings ... Wer entscheidet eigentlich, was normal und was anders ist? 
Ein Punker unter Punkern ... Nur so als Beispiel ... ist der anders? Oder ist er da normal? Oder vielleicht normal anders? Oder gar anders normal? 
(Könnt ihr meinen verwirrten Gehirnwendungen überhaupt noch folgen? ;-) ) 

Kommen wir zurück zu meinem Kompliment. Klar freue ich mich, dass ich bei diesem Mann einen solch bleibenden Eindruck hinterlassen habe, dass er mich anders wahrnimmt als andere Frauen. Dass ich ihm (positiv! ;-) ) aufgefallen bin. Aber dennoch ... Bin ich wirklich anders? Oder bin ich nicht einfach normal? 

Schauen wir doch mal ...
Ich wohne in einem Haus, habe durchschnittliche zwei Kinder, einen Hund und einen Garten. Ich gehöre in ein kleines Dorf und lebe damit, dass meine Nachbarn sich darüber "austauschen", wenn ich meinen Rasen nicht rechtzeitig mähe. Klingt ganz normal, oder? ;-) 

Okay, betrachte ich mich mal von der anderen Seite. Oder sollte ich sagen von der "Anders"-Seite? 
Ich habe mehrere Tattoos und Piercings, ich habe genau eine Jeans im Schrank, die kein Loch aufweist. Ich besitze irgendwo ein Paar Pumps, trage sie allerdings nur unter Zwang. Ich habe keinen Schuhtick, gehe ungern shoppen, finde Parfümerien - und auch Parfums - ziemlich unerträglich und wehre mich, außer zu besonderen Anlässen ein Kleid anzuziehen. 
Ich gehöre in ein kleines Dorf, in dem die Menschen gern tratschen, aber es interessiert mich nicht sonderlich, wer was über mich sagt und wer sich bei Meier, Müller und Schulze drüber aufregt, dass mein Rasen mal wieder nicht gemäht ist. 

Und nun? Bin ich nun anders? Oder bin ich normal? Oder bin ich vielleicht tatsächlich anders normal oder normal anders? 
Was denkt ihr? Was bin ich - und was ich viel spannender finde - wie seht ihr euch? ;-) 

Wollt ihr wissen, zu welchem Ergebnis ich gekommen bin? ;-) 
Also ganz ehrlich - es ist egal, was von alledem ich bin. Wichtig ist mir nur eins: Ich bin ICH!

Ich bin authentisch, ich bin echt. Ich muss anderen keine Lügengeschichten erzählen, um mich besser und überlegen zu fühlen. Ich muss mich nicht in irgendeiner Form an andere anwanzen, nur um zu den "coolen Kids" zu gehören oder erfolgreich zu sein. Ich muss mich nicht verbiegen, um allen Dorfbewohnern zu gefallen. 

Ich bin nun mal so, mich gibt es nicht anders. ;-) Ich könnte auch gar nicht anders sein. 

Wenn ich heule, wenn ich lache, wenn ich rede wie ein Wasserfall, wenn ich nachdenklich schweige. Ich bleibe ich. Und wisst ihr was? Es gibt Leute, die lieben mich tatsächlich, weil ich genau das bin. ICH! 

Vor kurzem habe ich jemanden gefragt, was er eigentlich an mir findet. 
Er kennt mich verheult wie ein Baby und mit verschmierter Maskara wie ein Panda. Er kennt mich mich frisch geduscht, noch nass wie ein Fischotter, ungeschminkt und im Schlabberlook. Er kennt meine Narben - die äußeren und die inneren. Er kennt die Seiten, die man eigentlich nicht soooo gern jemand anderem zeigt (erst recht nicht, wenn man denjenigen kaum kennt ... ;-) ), diese dunklen Seiten, die man eigentlich verstecken möchte. 

Wisst ihr, was derjenige auf meine Frage geantwortet hat? 

"Dass du immer, egal was du tust, authentisch bist." 

Ein einziger Satz und dennoch ... Wow! Ich war sehr gerührt, das gebe ich zu. Denn das ist es doch, was ich möchte. Ich möchte geliebt werden für das, was ich wirklich bin. Nicht dafür, zu sein, wie andere mich gern hätten. Und mal ehrlich - wollen wir das nicht alle? 


Ich wünsche euch ein sonniges Wochenende und holt euch keinen Sonnenbrand! ;-) 
Liebe Grüße 
Eure Juli  

Freitag, 13. April 2018

Drei Wochen ...


Moin ihr Lieben! 
Schwupps, da ist er wieder ... Fre(u)itag und der Start in ein hoffentlich sonniges Wochenende. ;-)

Mögt ihr mitkommen auf eine Reise quer durch Italien? Habt ihr Lust auf Sommer, Sonne und dolce vita? ;-) 

Dann habe ich vielleicht das Richtige für euch. ;-) 

Da mein Sommerroman "Drei Wochen und ein ganzes Leben" derzeit als E-Book im Kindle Deal des Monats April bei Amazon ist, habe ich euch eine kleine Leseprobe mitgebracht. 

Heute gibt es hier das komplette erste Kapitel zum Reinschnuppern. 

Viel Spaß und genießt die Zeit!  



Samstag, den 10. Juni

~*~ Hamburg ~*~

„Und du bist dir ganz sicher, dass du das machen willst?“ Besorgt wanderte der Blick meiner Mutter zwischen mir und meinem überdimensionalen Trekkingrucksack hin und her. Ihre Augen schwammen in Tränen, doch sie kämpfte sichtbar dagegen an. Verständnisvoll lächelnd nahm ich sie in den Arm und drückte sie an mich. Ich wusste, wie schwer es ihr fiel, mich gehen zu lassen. Das war mir bereits klar, bevor ich diese Reise geplant hatte. Ich war ihr Baby, ihr Nesthäkchen, ihr Augapfel. Die letzten 25 Jahre war es ihre Aufgabe gewesen, mich vor allem, was mir schaden konnte, zu beschützen – und das hatte sie getan.
Zwar war sie dabei regelmäßig über das Ziel hinausgeschossen und hatte mir oft genug die Luft zum Atmen genommen, aber ich wusste immer, sie tat es aus Liebe zu mir.
„Ja, Mamma, ich bin mir ganz sicher! Und es sind ja nur ein paar Wochen. Ich habe es dir doch erklärt: Ich möchte auf den Spuren meiner Vorfahren wandeln und das Land kennenlernen, aus dem ich eigentlich stamme.“
„Deine Großeltern haben Sizilien nie wirklich verlassen. Da gibt es nicht sonderlich viele Spuren deiner Vorfahren, auf denen du wandeln kannst“, mischte mein Vater sich mürrisch ein und schüttelte genervt den Kopf. Während meine Mutter Probleme damit hatte, mich allein losziehen zu lassen, vertrat mein Vater die Meinung, es wäre rausgeworfene Zeit. Er konnte nicht nachvollziehen, warum ich – eine Tochter aus gutem Hause – freiwillig fast vier Wochen mit dem Rucksack durch Italien touren wollte. Ein Urlaub nach seinem Geschmack wäre es gewesen, mit dem Flugzeug erster Klasse zu fliegen und dann in Fünf-Sterne-Hotels zu wohnen.
Aber das war es nicht, was ich wollte. Ich wollte keine Upper-Class-Reise, ich wollte die Freiheit spüren, wollte Land und Leute kennenlernen, anstatt klimatisierter Hotels und viel zu teurem Essen. Ich brauchte keinen Prunk, keinen Glitzer und Glamour. Ich wollte das wahre Leben entdecken. Das Leben außerhalb der Mauern unserer Hamburger Villa und der besseren Gesellschaft. Doch das war ein Punkt, den mein Vater nie verstehen würde. Wir waren einfach zu unterschiedlich.
„Babbo, bitte!“ Flehend sah ich zu meinem Vater auf, der missmutig die Arme vor der Brust verschränkt hatte. Ich mochte mich nicht noch mit ihm streiten, ich wollte nicht, dass wir so auseinandergingen. „Gib mir diese vier Wochen. Sie gehen ganz schnell vorbei und danach bin ich komplett für deine Kanzlei da.“ Beim Gedanken daran lief mir ein unangenehmer Schauer über den Rücken. Es fühlte sich an, als wäre mein Leben nach diesen vier Wochen vorbei. Denn wenn ich wieder zu Hause war, musste ich in der Anwaltskanzlei meines Vaters antreten. Mein Jurastudium war abgeschlossen, die letzten Prüfungen lagen gerade hinter mir, bald ging der Ernst des Lebens los. Doch während meine Kommilitonen es gar nicht abwarten konnten, endlich loszulegen, bildete sich in meinem Magen ein unangenehmer Kloß.

Als ich Jolas alten Golf die lange Einfahrt zur Villa meiner Eltern hochkommen sah, wandte ich mich erneut meiner Mutter zu, die noch immer gegen die Tränen kämpfte.
„Vier Wochen, Mamma! Die vergehen ganz schnell, versprochen! Und wir werden zwischendurch telefonieren. Du wirst kaum merken, dass ich weg bin.“
Nun löste sich die erste Träne aus ihrem Augenwinkel. Schniefend wischte sie sie weg und schloss mich fest in die Arme. „Du bist einfach mein Baby, Sienna. Und du wirst es immer bleiben. Deine Geschwister sind schon so erwachsen, aber du … Jetzt verlässt auch du das heimische Nest und das …“ Sie brach ab und atmete tief durch, um sich wieder zu sammeln. Dann löste sie sich von mir und nahm meine Hände zwischen ihre. „Hier, falls du irgendetwas brauchst. Aber verrat es nicht deinem Vater“, sagte sie verschwörerisch, und ich spürte, wie sie mir ein Bündel Geldscheine in die Hand schob, während sie meinem Vater einen verstohlenen Blick zuwarf. Er bekam nicht mit, worüber wir sprachen, da er gerade Jola begrüßte, die aus dem Auto stieg.
„Mamma, ich habe genug Geld! Wirklich! Ich brauche es nicht!“, protestierte ich und versuchte, ihr das Geldbündel wiederzugeben, doch sie wiegelte ab.
„Sieh es als Notgroschen. Falls irgendetwas ist. Du weißt nie, was geschieht.“
Seufzend steckte ich das Geld ein und bedankte mich bei meiner Mutter. Ich wusste, sie meinte es nur gut, aber ich hätte ihr Geld wirklich nicht gebraucht – und eigentlich wollte ich es auch nicht.
Diese Reise war mein Wunsch. Sie war mein Ausbruch aus diesem goldenen Käfig, der mein Leben in den letzten fünfundzwanzig Jahren gewesen war. Sie sollte nicht dafür bezahlen, ich wollte es allein schaffen.
„Wollen wir dann los? Nicht dass der Zug noch ohne dich fährt.“ Jola riss mich aus meinen Gedanken. Ein Blick auf die Uhr an meinem Handgelenk verriet mir, dass wir uns sputen mussten, wenn ich meinen Zug rechtzeitig erreichen wollte.
Schnell verabschiedete ich mich von meinen Eltern und hievte den schweren Trekkingrucksack in Jolas Kofferraum.
„Ich melde mich, wenn ich in Basel bin!“ Ich winkte den beiden noch einmal zu und stieg in den Wagen. Als wir die lange Auffahrt hinunterfuhren, konnte ich im Rückspiegel sehen, wie meine Mamma sich an Babbo schmiegte. In diesem Moment musste auch ich gegen einen Kloß in meinem Hals ankämpfen.

„Und du bist dir wirklich sicher, dass du mich nicht mitnehmen willst?“, fragte Jola, während sie durch Hamburgs Straßen fuhr, und schubste mich leicht mit dem Ellenbogen an.
„Ja, bin ich! Diese Reise ist nur für mich allein.“
„Aber du weißt, dass wir zu zweit eine Menge Spaß haben würden, oder? Wir würden Italien und vor allem die italienische Männerwelt mal so richtig aufmischen“, sagte sie kichernd.
„Das werden wir auch, Süße. Aber die Männerwelt muss warten, bis wir auf Sizilien sind.“
„Du bist gerade wirklich auf dem Selbstfindungstrip, oder?“
Ich zuckte mit den Schultern und sah aus dem Fenster. Ein letztes Mal nahm ich meine Heimatstadt bewusst wahr, bevor ich für die nächsten Wochen verschwand und die Welt außerhalb der High Society, weitab von schicken Hotels, Nobelrestaurants und First-Class-Flügen kennenlernte.
„Selbstfindungstrip? Ich weiß nicht … Ich würde es eher als Abenteuer bezeichnen.“ Wir hatten bereits unzählige Male darüber gesprochen, und ich hatte Jola immer wieder erklärt, was mich antrieb.
„Das weiß ich doch, Süße! Und ich finde es toll, dass du es machst. Ich bin nur ein bisschen neidisch, weil du megacoole Orte sehen und wahnsinnig viel erleben wirst. Ich meine … Mailand! Was kannst du da shoppen!“
Kichernd schüttelte ich den Kopf. „Ich fahre doch nicht zum Einkaufen dahin. Außerdem ist Mailand längst nicht mehr so spannend, wenn man schon diverse Male da war. Ich will das Land kennenlernen und die Leute. Ich will mir selbst beweisen, dass ich auf eigenen Füßen stehen kann, ohne dass Mamma und Babbo einspringen, wenn es mal schwierig wird. Abgesehen davon … Hast du dir mal meinen Rucksack angeschaut? Der ist so knallvoll, da passt nicht mal mehr ein Paar Socken rein. Shoppen ist also nicht.“

Am Hauptbahnhof angekommen, parkte Jola ihren alten Golf frech in einer Parkverbotszone.
„Willst du hier so stehen bleiben?“, fragte ich und deutete auf das Schild, das unübersehbar direkt vor uns hing.
„Klar! Ist ja grad keine Parklücke frei, und du glaubst doch nicht, dass ich dich allein zum Bahnsteig gehen lasse. Wenn meine beste Freundin zu so einem Abenteuer aufbricht, werde ich sie zumindest vernünftig am Zug verabschieden.“
„Und wenn du zurückkommst, ist dein Auto abgeschleppt“, gab ich zu bedenken, aber Jola lachte nur und stieg aus. Nach einem letzten Blick auf das Parkverbotsschild folgte ich ihr. Als ich am Kofferraum ankam, hievte sie gerade meinen Rucksack heraus.
„Boah, was hast du da drin?“, fragte sie ächzend und stellt ihn auf den Boden. „Hast du zur Sicherheit noch ein paar Backsteine mitgenommen? Damit du was zum Werfen hast, falls dich jemand belästigt?“
Ich schüttelte den Kopf und schnallte mir das schwere Teil auf den Rücken. Jola hatte recht. Wenn ich nicht wüsste, was ich alles eingepackt hatte, würde ich auch auf Backsteine tippen.
Als wir am richtigen Bahnsteig ankamen, war ich vollkommen aus der Puste. Mein T-Shirt und die Jeansjacke klebten unangenehm feucht an meinem Rücken. Schnell befreite ich mich von dem Ungetüm auf meinen Schultern und ließ den Rucksack auf den Boden fallen. Wenn ich daran dachte, dass ich das Teil die nächsten Wochen würde schleppen müssen, wurde mir ein wenig mulmig. Natürlich hatte ich das Gewicht des Trekkingrucksacks beim Packen getestet, doch ihn einmal kurz hochzunehmen und wieder abzustellen war etwas ganz anderes, als ihn über Hunderte Meter zu tragen. Na super! Das konnte ja heiter werden. Ich sah mich schon ächzend vor Schmerzen und Muskelkater irgendwo am Straßenrand liegen. Schnell schüttelte ich den Kopf, um diese Bilder aus meinem Kopf zu vertreiben.
„Und du bist sicher, dass du nichts vergessen hast?“, fragte Jola und stupste meinen zwischen uns stehenden Rucksack mit der Schuhspitze an.
„Selbst wenn, wäre es jetzt wohl ein bisschen zu spät“, erwiderte ich. „Aber nein, ich denke, ich hab alles.“ In diesem Moment wurde ich von einem einfahrenden Zug unterbrochen, der lautstark an uns vorbeiratterte und mit quietschenden Bremsen zum Stehen kam.
„Auf geht’s!“, sagte Jola und trat vor mich. Sie legte ihre Hände auf meine Schultern und drückte leicht zu, bevor sie mich in ihre Arme zog. „Ich wünsche dir ganz viel Spaß und tolle Erfahrungen. Genieß dieses Abenteuer – aber lass die Finger von der Männerwelt. Vergiss nicht, die erobern wir gemeinsam, wenn wir uns auf Sizilien treffen. Ich freu mich schon! Am liebsten würde ich gleich anfangen zu packen.“
„Na, das wäre wohl ein wenig früh“, erwiderte ich feixend. „Du musst noch ein bisschen warten. Aber ich freue mich drauf, dich in drei Wochen am Flughafen in Empfang zu nehmen. Und bis dahin … wird sicher alles gut gehen. Ich hab dich lieb, Süße!“ Ich gab Jola noch einen Kuss auf die Wange, dann stemmte ich den Rucksack erneut auf meinen Rücken und stieg in den ICE, der mich zu meiner ersten Station nach Basel bringen würde.

Nachdem ich das richtige Abteil gefunden hatte, richtete ich mich für die nächsten Stunden häuslich ein. Bisher hatte ich noch keinen Mitfahrer, daher konnte ich mich ein wenig ausbreiten.
Jola hatte den Bahnsteig schon verlassen. Wahrscheinlich hatte sie doch Sorge, dass ihr Auto abgeschleppt werden könnte. Als der Zug den Bahnhof verließ, lehnte ich mich entspannt zurück und schloss die Augen.
Das Bild meiner Mamma erschien in meinem Kopf. Wie traurig sie auf der Auffahrt gestanden und dem Wagen hinterhergeschaut hatte. Wie sie sich dort an meinen Vater gelehnt hatte, wirkte sie so klein und zart. Ich wusste, es tat ihr weh, mich gehen zu lassen. Doch sie wusste, sie hatte keine Chance, mich zu halten.
Ich erinnerte mich, wie meine Eltern reagiert hatten, als ich ihnen vor ein paar Wochen von meinen Reiseplänen erzählte. Meine Mutter war in Tränen ausgebrochen und wollte sich gar nicht mehr beruhigen. Immer wieder betonte sie, wie gefährlich es doch wäre, als Frau allein zu reisen. Sie zählte auf, was alles passieren konnte, und versuchte, mich umzustimmen.
Mein Vater hingegen hatte ganz anders reagiert. Als Familienoberhaupt hatte er nur grimmig die Arme vor der Brust verschränkt, den Kopf geschüttelt und gesagt: „Nein!“
Nur dieses eine Wort. „Nein!“
Jedes Mal, wenn ich versucht hatte, ihm zu erklären, dass ich trotzdem fahren würde, dass ich bereits gebucht hatte, kam es wieder: „Nein!“
Für ihn gab es keinerlei Diskussion. Er sagte kategorisch nein und ich hatte zu spuren. So war es immer gewesen. Doch ab sofort nicht mehr!
Ein paar Tage lang ging es so. Meine Mamma versuchte, mich mit Horrorstorys, die sie irgendwo gelesen hatte, umzustimmen. Sie erzählte mir von ausgeraubten Touristinnen. Von in der Bahn geklautem Gepäck. Von Vergewaltigungen. Von Messerstechereien. Von im Schlaf Ermordeten in irgendwelchen Hostels.
All das waren Sachen, die ich nicht hören wollte. Sosehr ich Mamma verstand, ich wollte mir von ihr keine Angst machen lassen.
Von meinem Vater hingegen kam auch in den Tagen danach nur dieses eine Wort, wenn ich versuchte, auf meine Reise zu sprechen zu kommen. Nein!
Irgendwann fragte ich ihn, ob er eigentlich wüsste, dass ich fünfundzwanzig Jahre alt sei und somit durchaus in der Lage und gesetzlich befugt, solche Entscheidungen selbst zu treffen.
„Meine Tochter wird nicht wie ein Hippie mit Bus und Bahn quer durch Italien reisen!“, war seine Antwort. Damit ließ er mich stehen. Er hatte seinen Standpunkt wieder einmal klargemacht.
Zwei Tage später lenkte er unverhofft ein. Was ihn dazu getrieben hatte, verstand ich bis heute nicht. Er vertrat zwar noch immer die Meinung, dass es rausgeworfene Zeit wäre, aber es kam nicht mehr das kategorische „Nein“ von ihm. Er schien sich damit abzufinden, da er sowieso nichts dagegen machen konnte, dass ich fuhr. Ich war überrascht, weil er meine Entscheidung auf einmal akzeptierte, und freute mich, dass ich es geschafft hatte, mich gegen meinen Vater zu behaupten. Das war in meinem Leben eher selten der Fall gewesen. Meist gab er Anweisungen, und die Familie hatte Folge zu leisten, ohne aufzumucken. So war es auch mit meinem Studium. Von klein auf war klar, dass ich Jura studieren und ebenso wie meine drei älteren Geschwister in die Kanzlei meines Vaters einsteigen würde. Ich konnte nicht einmal sagen, ob ich diesen Beruf für mich selbst gewählt hätte, wenn es meine Entscheidung gewesen wäre. Da es allerdings nicht meine Entscheidung war, hatte ich nie weiter darüber nachgedacht, was ich vielleicht lieber studiert hätte. Ich wollte mich nicht damit befassen, weil ich keine Sehnsucht, keinen Wunsch wecken wollte, der unerfüllbar bleiben würde.

„Hier noch Kaffee? Etwas Kaltes? Ein Schokoriegel?“ Ich öffnete die Augen, als eine männliche Stimme an mein Ohr drang. In der Tür zum Abteil stand ein Mann mit einem Servierwagen aus dem Bordrestaurant. Kaffee war jetzt gar keine so schlechte Idee.
„Haben Sie auch Cappuccino?“, fragte ich und der junge Mann schüttelte bedauernd den Kopf. „Nein, tut mir leid. Cappuccino gibt es nur im Bordrestaurant. Ich habe bloß normalen Filterkaffee.“ Entschuldigend deutete er auf die große Thermoskanne. 
„Okay, dann hole ich mir dort einen. Vielen Dank.“ Während ich in meinem Rucksack nach meinem Portemonnaie kramte, schloss er die Tür und zog weiter. Als ich es gefunden hatte und den Kopf wieder hob, sah ich, wie jemand in mein Abteil hineinschaute. Die Hände rechts und links an das Gesicht gelegt, starrte er durch die Scheibe, bis er merkte, dass ich ihn entdeckt hatte. Es ging so schnell, ich konnte das Gesicht nicht klar erkennen, denn im selben Moment zog derjenige hektisch den Kopf ein und eilte weiter. Eigentlich war gar nichts dabei. Vermutlich war es nur ein anderer Fahrgast, der seinen Platz gesucht hatte. Dennoch kam mir die Situation merkwürdig vor. Ich konnte nicht sagen warum, es war nur ein Bauchgefühl. Aber leider ein ungutes …
„Was war das denn?“, fragte ich mich leise. Dann schüttelte ich über mich selbst den Kopf. „Hat der Typ sich gerade wirklich benommen, als hätte ich ihn bei etwas ertappt? Oder werde ich jetzt schon paranoid nach den ganzen Horrorstorys, die Mamma mir erzählt hat?“ Auf einmal traute ich mich nicht, mein Gepäck allein im Abteil zu lassen, während ich ins Bordrestaurant ging. Seufzend steckte ich mein Portemonnaie wieder weg und holte eine Wasserflasche heraus, die ich von zu Hause mitgebracht hatte. Hätte ich doch bloß einen normalen Kaffee von dem jungen Mann und seinem Servierwagen genommen. Jetzt musste ich leider auf den kleinen Koffeinschub verzichten.



Naaa, seid ihr neugierig, wie es im nächsten Kapitel weitergeht? Ob Sienna wohl ihren Kaffee noch bekommt? ;-) 
Dann schaut mal hier: https://www.amazon.de/dp/B074RKCCF1
Momentan reduziert - es lohnt sich also, zuzuschlagen. ;-) 

Freitag, 6. April 2018

Und nun?

Hallo ihr Lieben, 

nachdem der Blog von letzter Woche, diese kleine Geschichte über die "Zwischenwelt" einen solchen Anklang gefunden hat, wusste ich nicht so recht, was ich diese Woche schreiben sollte. 
Die Geschichte von Freitag war toll, aber auch ein wenig schwere Kost. Romantisch, schön, liebevoll und doch ein bisschen traurig. Sie wirkt nach - in mir und vielleicht auch in euch ... Ich denke oft an dieses Paar und frage mich, was ihnen die Zukunft wohl noch bringen mag.

Nicht jede Liebesgeschichte hat ein Happy End, aber ich glaube, das Pärchen vom Bahnhof wird ihr Happy End finden. Da bin ich mir sehr sicher! 

Ach so ... falls ihr letzte Woche nicht gelesen habt, und nicht wisst, worüber ich spreche, könnt ihr gern noch mal nachlesen. ;-)

HIER geht es zur Geschichte über das unbekannte Paar am Bahnhof. Und wer weiß ... vielleicht gibt es irgendwann eine Fortsetzung zu den beiden ...

Aber nicht heute! ;-) 

Und nun? 

Okay, wie gesagt, ich wusste nicht, was ich schreiben sollte, ich wusste nur, etwas Leichtes musste mal wieder her. ;-) 

Wie wäre es denn mit ... Handarbeit. Das ist doch ein leichtes Thema, oder? Was ganz Entspanntes - und angeblich auch Entspannendes ... 

Wie ich darauf komme? Ich durfte diese Woche eine für mich völlig neue Erfahrung machen. Ich gebe zu, Handarbeit ist noch nie so wirklich mein Thema gewesen. Ich bin für Handarbeiten ungefähr so talentiert und habe daran ebenso viel Spaß wie ein Elefant am Eislaufen. ;-) 

Als ich klein war, hat meine Ma mir die Schallplatte vom "Trotzkopf" geschenkt. Ich habe die Geschichte um Ilse Macket geliebt! 
Mir war klar, warum ich die Platte bekommen habe und meiner Mutter war klar, dass ich es wusste. ;-) 

Noch heute erinnere ich mich an die bildhafte Beschreibung von Ilses Handarbeit. Na gut, das Bild dazu hatte ich in der Realität in meinem Zimmer liegen. 

Ein verknautsches Strickwerk voller Fehler, die Wolle schnuddelig von ungewaschenen Händen, die den ganzen Tag im Sand gebuddelt hatten und auf Bäume geklettert waren. 
Ich war ein Wildfang, wie Ronja Räubertochter - nur ohne Birk! ;-) -, ich hatte rötliche Haare, Sommersprossen und ein Gemüt wie Pippi Langstrumpf und ich war ein Trotzkopf - genau wie Ilse Macket. 

Die Ronja Räubertochter in mir ist ein bisschen gezähmt (nur ein bisschen, auf Bäume klettere ich immer noch gern, wenn ich darf. ;-) ), die Pippi Langstrumpf werde ich immer bleiben und den Trotzkopf ...den habe ich mittlerweile abgelegt. Meistens zumindest ... ;-)

Dennoch habe ich seit ca. 30 Jahren - seit meinen ersten Versuchen als Kind - kein Strickzeug mehr angefasst. 

Nee, ich und stricken? Geht gar nicht! Und das sehe nicht nur ich so ... Ich denke, jeder, der mich kennt, würde mich für verrückt erklären. Aber ... ;-)

Aber ... da ich mittlerweile gelernt habe, dass es manchmal nicht so schlecht ist, sich auf neue Wege zu begeben, habe ich mich in der vergangenen Woche auf ein weiteres neues Abenteuer eingelassen. 

Ich war tatsächlich in einem kleinen Wollädchen in Hamburg Wandsbek und habe mir reichlich Wolle und passende Stricknadeln besorgt. 

ICH! Oh jaaa! 

Wer mich kennt wird jetzt vermutlich ungläubig den Kopf schütteln und ernsthaft - das mache ich auch. Ich kann gar nicht fassen, dass ich tatsächlich dem "Strickwahn" verfallen bin. Aber in den letzten drei Tagen habe ich nebenbei einen wunderschönen und kuschligen Loop gezaubert. :-) 

Ich bin schon ein bisschen stolz auf mich. Was mich aber am meisten daran fasziniert ... es macht mir tatsächlich Spaß zu stricken! 
Das nächste Projekt wartet bereits darauf, angefangen zu werden. Und wenn ich ein bisschen mehr Übung habe, wage ich mich vielleicht mal an eine Mütze - oder nach 30 Jahren noch einmal an einen Pullover ... ;-) 

Okay, viel Gequatsche um nichts, werden nun sicher einige denken. Aber ... Nee! Ich will euch natürlich auch noch etwas mitgeben. ;-) 

Manchmal ist es gut, andere Wege zu gehen und sich einfach auf etwas einzulassen. Denn oftmals führt es unverhofft zu etwas Wunderschönem! 
Nur zu einem neuen Schal - oder zu einem völlig neuem Leben. 

Oder in einem Satz zusammengefasst: 


Mach den Menschen glücklich, mit dem du ein ganzes Leben zusammenbleiben musst. Dich selbst! 


Ich wünsche euch ein zauberschönes Wochenende voller unerkannter Wege und großartigen Erfahrungen.

Eure Juli

Freitag, 30. März 2018

Zwischenwelt


Moin ihr Lieben,

es ist wieder Freitag - Blogtag und noch dazu ist heute Feiertag - Karfreitag (wobei ich lieber nicht an die Bedeutung dieses Tages denke, denn zum "Feiern" finde ich es nicht ... ) 

Eigentlich wollte ich für heute einen schönen Blog zum Thema Ostern schreiben. Eine süße Geschichte, ein leckeres Osterzopf-Rezept, irgendwie sowas. Aber dann wurde ich gebeten, etwas zum Thema Gefühle zu schreiben. Und irgendwie gefällt mir das Thema auch viel besser. ;-) Daher habe ich den Vorschlag dankbar angenommen.

Aber ... Puh, gar nicht so leicht.
Ich schreibe zwar Liebesromane, in denen es natürlich um Gefühle geht, aber einfach so … sehr schwierig. Zumindest für mich.
Es gibt so wahnsinnig viele Gefühle, dass ich die gar nicht alle zusammen in einen Blog werfen wollen würde. 
Gut, somit muss ich mich halt entscheiden und beschränke mich nur auf ein Gefühl. Und ich habe das genommen, über das ich sowieso am liebsten schreibe … ;-) Eines der schönsten - wenn nicht sogar DAS schönste Gefühl der Welt.

Allerdings will ich nicht die hundertste Abwandlung zum Thema „Was ist Liebe?“, „Wo kommt sie her?“ und „Wie behandelt man seinen Lieblingsmenschen?“ schreiben, wie es auf anderen Blogs manchmal der Fall ist …

Okay, lange Rede, kurzer Sinn … (kurze Rede gibt es bei mir auch nicht. Wisst ihr ja … Ich bin eine Laberbacke. ;-) ) Ich habe mich mal an einer Kurzgeschichte versucht.

Viel Spaß beim Lesen und habt ein tolles langes Osterwochenende!
Eure Juli



Zwischenwelt

Die Augen geschlossen, lehne ich mit dem Kopf an deiner Brust, lausche deinem Herzschlag. Es fühlt sich an, als wären wir in einer Zwischenwelt, die nur uns allein gehört. Die reale Welt um uns herum existiert nicht. Sie ist komplett ausgeblendet, ich nehme nichts wahr außer deiner Nähe, deiner Wärme und dem Gefühl, das in mir blubbert. Ein bisschen wie Kohlensäurebläschen in Mineralwasser. Kribbelnd, kitzelnd, nimmt es mich ein, breitet sich aus und ich spüre tief in meinem Herzen, dass es dir genauso geht.
Es gibt nur uns beide, dich und mich.

Ich lasse mich einhüllen von deinem Duft und fühle deine Finger, die zärtlich meinen Nacken streicheln. Ich spüre, wie du deine Lippen auf mein Haar drückst, wie du mich küsst, wie du tief einatmest.
Dieser Moment ist einfach perfekt!
Ich habe das Gefühl, noch nie zuvor etwas so Schönes gespürt zu haben. Unzählige Emotionen rauschen durch meinen Körper, dass ich fast platzen möchte vor Glück. Mein Herz klopft schnell, aufgeregt, mein Bauch kribbelt, ich zittere ein wenig und habe eine Gänsehaut am ganzen Körper. Diese Kohlensäurebläschen … Oder sind das etwa die berühmten Schmetterlinge im Bauch?

Ich fühle mich wie in einem wunderschönen Traum, aus dem ich nicht aufwachen will.
Ich möchte diesen Moment festhalten – für immer!
Ich möchte dich nicht loslassen – nie wieder!
Aber ich weiß, dass es nicht geht. Nur noch ein paar Minuten, dann müssen wir uns trennen.
Für ein paar Wochen? Für Monate? Für immer? Ich weiß es nicht, und in diesem Augenblick ist es mir auch egal. 
Ich halte dich fest, du hältst mich fest. Wir sind verschmolzen zu einer Einheit. Zwei Herzen im Gleichtakt. Aufgeregt schlagend und doch so voller Ruhe. Dies hier ist alles, was wir brauchen. Alles, was wir wollen.
Tiefes Atmen, ein wenig zittrig, weil die Gefühle uns überfahren.

Die letzten Tage waren einzigartig. Für dich ebenso wie für mich, das weiß ich, das verrät mir dein Blick, wenn du mich ansiehst. So voller Zärtlichkeit. So voller Sehnsucht.
Ich möchte nicht, dass du gehst, will für immer hier bleiben. In unserer perfekten Zwischenwelt. Doch ich weiß, dass wir keine Chance haben. 

Das Leben spielt nicht immer fair.

Aber das ist egal, denn in dieser Sekunde haben wir uns. Wir sind zusammen und nur das zählt. Gegen alle Umstände haben wir uns gefunden. Wenn auch nur für wenige Tage.

Knarrend ertönt eine mechanisch klingende Stimme aus dem Lautsprecher, und holt uns zurück in die Realität. Auf den Bahnsteig. Dein Zug wird angekündigt und fährt kurz darauf ein. Der Moment, vor dem wir uns seit Tagen gefürchtet haben, ist da.

Wir müssen uns trennen. 
Du kehrst zurück in dein Leben, ich in meins. Wir müssen unsere Zwischenwelt verlassen.
Diese Zwischenwelt, in der es niemanden gab außer uns beiden. In der alles andere egal war und die Realität so weit weg wie die Sonne von der Erde.

Ich bin traurig, als ich dich ein letztes Mal küsse, meine Hände zärtlich über deine Wangen gleiten lasse, und dann zuschaue, wie du langsam auf die geöffnete Zugtür zugehst. Ich sehe dir an, dass du mich nicht verlassen möchtest. Du willst bleiben. Bei mir. So wie ich bei dir.

Tränen laufen mir über die Wangen, als ich es endlich schaffe, mich abzuwenden und nach Hause zurückzukehren.

Ich bin glücklich.
Ich bin unglücklich.
Ich bin wütend auf das Leben, dass uns keine Chance gibt.
Ich bin dankbar, dass das Leben uns die letzten Tage geschenkt hat.
Ich möchte dich festhalten.
Ich muss dich loslassen.
Ich möchte gefühllos sein. 
Ich fühle dich. 
Ich bin verliebt.
Nein, ich liebe …






Freitag, 23. März 2018

Perfekt unperfekt

Den Blick in den Himmel gerichtet, sitze ich hier auf der ausladenden Wurzel der alten Buche und starre hinauf in den nachtschwarzen Himmel. Ein paar Sterne entdecke ich und den Neumond, der ein schwaches Licht über den Park wirft. 
Die Gedanken fliegen durch meinen Kopf und es fällt mir schwer, einen von ihnen festzuhalten. Mein Herz liegt bleiern in meiner Brust und ein Kloß in meinem Hals erschwert mir das Atmen.
Ich hasse Abschiede! 
Schon als Kind habe ich geheult wie ein Schlosshund, wenn ich mich für länger als ein paar Tage von jemandem verabschieden musste. Bereits damals wollte ich die Menschen, für die ich etwas empfand, festhalten und ihn nicht mehr aus meinem Leben lassen. 

Doch die Erfahrung hat mich im Laufe der Jahren anderes gelehrt.

So viele Menschen gehen und so wenige bleiben ... 

Die Anzahl derer, die irgendwann beschließen, nicht mehr zurückzukehren, ist größer, als die derer, die dein Leben nicht wieder verlassen wollen. 

Diese Menschen, sie sind weitergezogen. 
Sie gehen ihren Weg, leben ihr Leben und ich ... Ich sitze noch immer hier ... an der gleichen Stelle ... auf der Baumwurzel der alten Buche und starre hinauf in den dunklen Nachthimmel. 

Nachdenklich lasse ich meinen Blick schweifen, sehe die Schemen und Schatten und stelle mir vor, wie der kleine Park am Tage aussieht. Innerhalb der letzten Wochen ist er zu meinem Rückzugsort geworden. 
Hier kann ich zu mir finden, wenn ich mich mal wieder aus den Augen verloren habe. Hier kann ich mich spüren und meine Gefühle herauslassen. Hier wird mich niemand entdecken. Hier muss ich keine Fragen beantworten, keine Erwartungen erfüllen. Hier kann ich wieder klar denken und mein inneres Gleichgewicht zurückerlangen. 


Hier kann ich SEIN. 

Erneut lehne ich den Kopf gegen den Stamm der alten Buche. Es beruhigt mich, unter diesem mächtigen Baum zu sitzen. Er strahlt so viel Ruhe aus, so viel Stärke. Ich fühle mich geborgen und beschützt.

Endlich schaffe ich es, über die Fragen nachzudenken, die mir schon seit einigen Tagen durch den Kopf schweben. 


Warum sollte ich noch zulassen, dass jemand mein Herz berührt, wenn er doch sowieso wieder verschwinden wird? 

Wieso sollte ich jemanden in meine Nähe lassen, wenn er doch sowieso irgendwann geht? 
Sollte ich nicht viel lieber auf mich achten, schauen, dass es mir gut geht ... mich schützen? Mein Herz ... 

Sollte ich nicht einfach die sein, bei der die Leute bleiben wollen? 

Ihnen nur meine schönen Seiten zeigen. So wie ich sein kann ... Fröhlich, lustig, aufgeschlossen, freundlich ... Reicht das nicht? 

Muss ich jemandem zeigen, wie es wirklich in mir aussieht? 

Muss ich jemandem verraten, was ich mir tatsächlich wünsche? 

Muss ich jemanden so dicht an mich heranlassen, dass er alles von mir sehen kann? 
Nicht nur die schönen Seiten, sondern auch die Narben und die Verletzungen.

Auf einmal ist sie da ... Die Antwort, um die ich schon seit Tagen herumschleiche. In diesem Moment bin ich mir sicher, es kann nur eine Antwort für mich geben. 


Ja! 

Denn sonst wäre ich nicht ICH. 
Die Narben, die Verletzungen, all die unschönen Seiten gehören ebenso zu mir wie meine Sommersprossen und meine blauen Augen. Sie haben mich geprägt, haben mich wachsen lassen und haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. 

So wie ich bin, bin ich perfekt. 


Perfekt unperfekt!

Genau wie das Leben ... Das Leben ist nicht immer nur schön und gut. Gerade das habe ich in den letzten Monaten sehr deutlich zu spüren bekommen. 

Ich musste erst lernen, dass der Regenbogen für mich noch ein paar mehr Farben hat. Mein Regenbogen ist grauschwarzbunt. Aber auch das bin ich! 

Manchmal ist meine Welt grau - aber ich weiß, sie wird wieder bunt. Die Farben kommen immer zurück. Irgendwann ...  Solange ich nicht aufhöre, an sie zu glauben. Solange ich nicht aufhöre, am Stamm dieser alten Buche zu lehnen und in den Himmel hinauf zu sehen, die Sterne zu betrachten und den Neumond, der sein schwaches Licht über den Park wirft. 

Achtsamkeit heißt das Stichwort, das habe ich in den letzten Wochen gelernt. Es gibt also einen Begriff dafür. 
Achtsamkeit. 

Mit sich ... und im Außen ... Sich an Kleinigkeiten erfreuen, Dinge wahrnehmen, die nicht jeder sieht, das ist einer der Schlüssel ... 

Ich möchte glücklich sein. 
Ich möchte ICH sein. 

Und das kann ich nur, wenn ich meinem Gegenüber alle meine Seiten zeigen. Denn nur so haben wir beide die Wahl. Bleiben oder gehen? 

Aber das ist nicht immer leicht, für mich nicht und auch nicht für mein Gegenüber. Andererseits - was im Leben ist schon leicht? 
Sind wir es nicht selbst, die uns die Leichtigkeit erschaffen? Ich jedenfalls möchte sie wieder spüren. Ich möchte wieder leicht sein. Und letztlich ist es irrelevant, wie viele Menschen bleiben oder gehen. 
Denn eins ist sicher ...


Sind es die richtigen, bleiben sie auf jeden Fall! 
Dann nehmen sie mich so an, wie ich bin. 

Perfekt unperfekt! 



Freitag, 16. März 2018

Sei frech, wild und wunderbar

Moin ihr Lieben! :-)

Es ist wieder Freitag, Blog-Tag, und das Wochenende naht ... ;-) Aber erst habe ich noch eine Frage an euch ...

Wohnt ihr eigentlich in einer Kleinstadt? Oder auf dem Dorf? Dann kennt ihr das bestimmt, oder?
Wobei ich mir die Frage stelle, ob es dieses Phänomen nicht in Großstädten auch gibt ... Aber das kann ich nicht beurteilen, daher beziehe ich meinen heutigen Blog erstmal nur auf Kleinstädte und Dörfer. ;-) 

Nein, obwohl ... So ganz stimmt es nicht, denn wenn ich mir Facebook so anschaue, ist es dort genau dasselbe! 
Also, auch Facebook und so manche, die sich dort herumtreiben, zählen zu den klatschenden und tratschenden Einwohnern des FB-Dorfes. ;-)

Ich wundere mich ja immer ein wenig darüber, über was die Leute sich so Gedanken machen. Menschen, die man nur vom Sehen, dem Namen nach oder über Facebook kennt, werden auf einmal Gesprächsthema Nummer 1, weil sie etwas machen, was nicht der "Norm" entspricht.

Ich finde es ja putzig, wenn ich merke, dass ich so ein Gesprächsthema bin. Ich glaube, ich bin niemand, der in eine Norm passt und das ist auch genau richtig so. "Sei Pippi nicht Annika!" ist ein Motto mirund das bin ich ...Ich bin eine Pippi Langstrumpf. Erwachsen werden und ein Spießerdasein führen, überlasse ich anderen. Nicht umsonst habe ich mir "meinen" Pippi Langstrumpf-Spruch unter die Haut stechen lassen. ;-) 

Wenn ich allerdings höre, dass die Leute hinter meinem Rücken über mich reden, geschieht etwas Merkwürdiges mit mir. 
Es entsteht dann immer so ein Drang, so ein Gefühl von "Jetzt erst recht!" 

Wisst ihr, was ich meine? Ich bin der Meinung, wenn die Leute mein Leben schon interessanter finden als ihr eigenes, muss ich sowas auch ausnutzen. ;-)





Wenn Gerüchte über mich in Umlauf sind, hab ich meinen Spaß daran, sie zu schüren - und amüsiere mich köstlich, wenn alles geglaubt wird, was so umgeht. 
Wenn man dann (natürlich hintenrum) erfährt, was ich so alles gemacht oder gesagt haben soll.

Ist irgendwie auch spannend, man erfährt so viel Neues über sich selbst, was einem vorher noch gar nicht klar gewesen ist! ;-) 
Man bekommt plötzlich Nachrichten im Sinne von "Ich hab gehört, du ..." Ach ja? ICH? Cool, wusste ich nicht gar nicht! :P

Aber vielleicht bin ich da auch etwas eigen (wie in so vielen Dingen ...). ;-)
Es gibt so ein paar Sachen, die stacheln mich einfach an.
Nicht nur Klatsch und Tratsch.

Auch so Sätze wie: "Das kannst du so nicht machen! Das geht nicht! Du musst ..." 

Das sind jetzt nur ein paar Beispiele, bei denen ich innerlich die Arme verschränke, bockig auf den Boden stampfe und denke:


"Doch, das kann ich so machen! Und ob das geht! 
Ich muss ...? Nee! Nicht mir mir!"

Ich glaube, man nennt es umgekehrte Psychologie. Wie auch immer, es klappt bei mir hervorragend. ;-) Man sage mir, was ich nicht kann - und ich mache es!

Klar bin ich oftmals damit angeeckt, aber ganz ehrlich - ich bin älter als 3x6 - wie eine liebe Freundin immer so schön sagt. 
Ich weiß zwar nicht immer, was ich tue, aber ich bin alt genug, selbst zu entscheiden und mich nicht bevormunden zu lassen. Und noch einen Effekt hat das Ganze. Es fordert mich zu absoluten Höchstleistungen heraus. Es stachelt mich an und gibt mir meist einen mächtigen Energieschub.


Nur ein Beispiel:
"Du kannst nicht davon leben, nur noch zu schreiben. Du MUSST dir einen weiteren Job suchen!", war die Aussage von gleich mehreren Personen vor ungefähr drei Jahren. 

Klar kann man denken, dass diese Leute sich Sorgen um mich gemacht haben, aber lustigerweise waren es nicht die, die mir am nächsten stehen, die das gesagt haben, sondern Leute, die mich nicht wirklich gut kennen.

Tja ... Und was macht die bockige Juli? Sucht sich natürlich keinen weiteren Job, sondern verdient ihr Geld nur noch mit schreiben. Und was soll ich sagen ... Ich kann mir selbst für diese Entscheidung nur auf die Schulter klopfen. ;-)

Was ich aber mit dem Ganzen hier eigentlich sagen will ... Solltet ihr auch mal im Mittelpunkt des Dorfklatsches stehen, lasst euch davon nicht entmutigen! Nehmt es euch nicht zu sehr zu Herzen!  Wenn ihr Sätze hört wie solche, die ich oben stehen habe, lasst euch nicht davon bremsen!
Im Gegenteil, seht es als Aufwind dafür, euer eigenes Ding zu machen!
Lebt bunt, seid frei und nehmt es mit Humor! :-)


Oder um es mit Pippi Langstrumpf zu sagen: 


"Sei frech, wild und wunderbar!" 

In diesem Sinne wünsche ich euch ein zauberhaftes, verrücktes, freches, wildes und vor allem wunderbares Wochenende! 

Eure Juli