Freitag, 25. Mai 2018

Geld oder Leben?

Okay, ich gebe zu, die Überschrift klingt ein wenig, als wollte ich eine Bank ausrauben. ;-) 
Aber nein, ganz so schlimm ist es nicht! 
Es ist tatsächlich der heutige Freitags-Blog-Titel und ich hoffe, meine Überschrift erklärt sich im Laufe des Lesens. ;-) 

Neulich habe ich mich mit einer Bekannten unterhalten, die sich - zum wiederholten Male! - über ihren stressigen Job und die vielen Überstunden beschwert hat.
"Wenn das so weitergeht, treibt mein Chef mich noch in den Burnout!", meinte sie irgendwann. 
Ich gebe zu, da bin ich ein wenig zusammengezuckt. Nicht nur, weil Burnout in den meisten Fällen mit Depressionen einhergeht und das ja, wie die meisten unter euch wissen, kein unbekanntes Thema für mich ist. Nein, das war nicht alles. 
Wie das bei mir manchmal so ist, reagierte mein Mundwerk schneller als mein Kopf ... 
"Dein Chef? Nicht eher du selbst?", fragte ich und hätte mir im selben Augenblick am liebsten auf die Zunge gebissen. 
Mit großen Augen schaute sie mich einen Augenblick lang an. 
"Ich hab ja wohl keine andere Wahl", meinte sie irgendwann ein wenig schnippisch und wechselte das Thema. 
Für mich allerdings war es noch nicht abgehakt. Während wir uns weiter unterhielten, arbeitete es in meinem Kopf. Diesmal war ich schlau genug, meine Gedanken für mich zu behalten und meine große Klappe zu bremsen.
Gut, dafür bekommt ihr jetzt meine Gedanken zu dem Thema ... ;-) 

Wie seht ihr es? Hat man wirklich keine Wahl? 

Ich stelle mir das vielleicht ein wenig einfach vor, aber mal ehrlich ... Wenn mein Job so stressig ist, wenn ich meine Familie und meine Freunde kaum noch sehe, weil ich andauernd Überstunden machen muss ... wenn ich selbst schon einen Burnout befürchte - ist es dann nicht allerhöchste Eisenbahn, etwas zu ändern? Muss ich dann nicht dafür sorgen, dass ich mein Leben wiederbekomme? 
Klar gibt es Chefs, die dafür kein Verständnis haben. Natürlich arbeitet man gern, wenn man seinen Traumjob hat. Natürlich verdient diese Bekannte auch Summen, von denen ich nur träumen kann. Aber irgendwo muss es doch auch eine Grenze geben! Was möchte ich denn? Was ist mir wichtiger? Das Geld? Oder mein Leben? Was hilft mir denn das ganze Geld, wenn ich gar nichts damit anfangen kann. Wenn ich keine Zeit habe, diese Geld überhaupt auszugeben? Dann freut sich ganz sicher meine Bank (vor allem beim derzeitigen Zinsniveau ... ), aber was ist denn mit mir? Mit meiner Familie? Mit meinen Freunden? Und vor allem mit meiner Gesundheit!

Wenn ich so fertig bin, dass ich nicht mehr weiß, wo oben und unten ist, muss ich die Notbremse ziehen. Dann reduziere ich meine Arbeitszeit, dann suche ich mir einen neuen Arbeitgeber, dann finde ich eine Lösung, wie es mir besser geht. Wenn ich denn wirklich eine finden möchte ... 

Versteht mich nicht falsch, in jedem Job gibt es stressige Phasen. In jedem Job muss man auch mal Überstunden machen, aber das sind nicht die Fälle, die ich meine. Ich denk, ihr versteht mich ... 

Ja, vielleicht stelle ich mir das wirklich zu einfach vor, aber wenn ich in meinem Leben eins gelernt habe, dann ist es, meine Zeit zu genießen. Ich habe vielleicht kein 6stelliges Jahresgehalt (*pruuuust* Werde ich auch im Leben nicht haben! ;-) ), aber solange ich meine Rechnungen bezahlen kann, meine Kinder satt sind und vernünftig angezogen, brauche ich das auch nicht. 
Wofür denn? 
Für mich gibt es viel wichtigere Dinge! 
Mit dem richtigen Menschen könnte ich auch in einer Einzimmerwohnung leben, denn ein tolles Haus, teure Reisen und Klamotten sind es nicht, was mich glücklich macht. ;-)

Meine Familie, meine Freunde, die Wauz ... Ein Sonnenuntergang auf Sylt, eine Wiese voller Gänseblümchen - ein Schmetterling auf meiner Hand! - das sind die Dinge, die mit keinem Geld der Welt zu bezahlen sind. 
Und mit keinem Job der Welt könnte ich das bekommen, was wirklich Glück für mich bedeutet. 

Wenn ich wählen müsste, würde ich immer das Leben wählen! 
Denn mein Leben ist mit keinem Geld der Welt zu bezahlen! 

Oder wie seht ihr das? ;-)

Genießt das Leben!
Eure Juli


Freitag, 18. Mai 2018

Stille Wasser ...

Moin ihr Lieben,
auf in den Freitag. :-) Heute mit einer kleinen Geschichte, die ich so tatsächlich schon mehrfach erlebt habe. Okay, ich schreibe sie mit einem kleinen Augenzwinkern, aber das ändert nichts am Wahrheitsgehalt. ;-)
Habt ein tolles langes Wochenende und schöne Pfingsten! <3


Neulich hatte ich mal wieder ein Gespräch, bei dem ich mich ernsthaft zusammenreißen musste, nicht laut zu lachen. Okay, solche Gespräche habe ich häufiger, aber dieses war eins, das ich so in der Art schon unzählige Male - meist mit Bekannten des männlichen Geschlechts - geführt habe.

In diesem Fall hatte ein Bekannter gehört, dass ich Liebesromane schreibe. Gut, das tue ich seit mittlerweile fünf Jahren, aber okay ... Er hat es wohl jetzt erst geschnallt.
Jedenfalls kommt er bei der nächsten Gelegenheit auf mich zu, grinst ein wenig und fragt wie beiläufig: "Und du schreibst also Liebesromane?"
Aha, denke ich, Nachtigall, ick hör dir trapsen ... Es ist mal wieder so weit. ;-)

Nach außen völlig cool antworte ich nur: "Ja, warum?"

"Och ... ich kann mir das so schlecht vorstellen." Kurze Pause. Ich warte gespannt ab, wann die Frage der Fragen kommt. "Und wie ist dann dann so? Also schreibst du so ... Hm ..." Zögern, eine leichte Röte überzieht die Ohren meines Gegenübers, ich sehe ihm regelrecht an, wie er in seinem Hirn nach den richtigen Worten sucht. Wie er mit sich ringt - frage ich oder frage ich nicht? Doch natürlich siegt die Neugier. Ein letztes Räuspern, dann schießt es regelrecht aus ihm raus. "Und wie ist das mit Sex?" Tiefes Durchatmen, der Gesichtsausdruck entspannt sich sichtlich, er hat es geschafft - auch wenn das letzte Wort kaum mehr als ein Hauchen war. War das jetzt wirklich so schwer?

Innerlich winde ich mich in einem Lachkrampf auf dem Boden! Es ist doch immer dasselbe mit den Herren der Schöpfung. Keine Ahnung warum ... ;-)

"Du meinst in meinen Büchern?", frage ich scheinheilig und prompt färben sich die Ohren  meines Bekannten in einem Farbton, der an glühende Grillkohle erinnert. Ich schaffe es noch immer, mir ein Grinsen zu verkneifen, und bleibe betont ernst. (Ein Hoch auf meine Selbstbeherrschung! Aber ich ahne ja schon, der beste Teil kommt erst noch ... ;-) Immerhin habe ich dieses Gespräch in leichten Variationen schon dutzende Mal geführt. ;-) )

"Ähm, ja, klar. In deinen Büchern." Peinlich berührtes Kichern, immerhin hätte ich ja denken können, er meint mein Privatleben! ;-)

"Also ich blende nicht an der Schlafzimmertür aus, falls das deine eigentliche Frage ist." Noch immer bin ich voll cool! Das hier ist mein Terrain, hier bin ich zu Hause. ;-)

Am Hals meines Gegenübers bilden sich hektische Flecken. Ich sehe regelrecht, wie sein Kopfkino anspringt. "Du schreibst also so ... alles?", fragt er ein wenig ungläubig nach und ich nicke.
"Ja, jedes Detail bis zum Ende. Das ist doch das Beste!"

Mann gibt sich total cool, versucht Stimme, hektische Flecken und rote Ohren wieder in den Griff zu bekommen. Es dauert gefühlte Minuten, dann kommt er endlich - mein Lieblingssatz! Darauf habe ich die ganze Zeit gewartet.

"Das hätte ich ja nicht von dir gedacht! Dass ausgerechnet DU über Sex schreibst."

Okay, nun ist es mit meiner Selbstbeherrschung vorbei und ich pruste los.

"Was soll das denn heißen?", frage ich, als ich wieder atmen kann. "Ernsthaft, ich habe zwei Kinder, und die hat nicht der Storch gebracht. Ich weiß also, worüber ich schreibe."

Kurz habe ich Mitleid mit dem armen Kerl, aber seine Ohren glühen schon wieder soooo schööön! ;-)

"Äh, ja, schon klar, aber du ... wirkst immer so ... still." Er verstummt und zuckt ein wenig hilflos mit den Schultern.

"Ja, ich weiß. Stille Wasser sind tief - und schmutzig!", antworte ich zweideutig grinsend. Mein Gegenüber schnappt nach Luft und weiß sichtlich nicht, wie er reagieren soll.
Nun habe ich doch ein bisschen Mitleid mit ihm.

 "Die Frauen, die ich kenne, mögen keinen Sex", murmelt er irgendwann.

Ooookay ... auch das habe ich bereits häufiger gehört, warum auch immer viele Männer das denken ...

Also, ihr Lieben, wenn ihr glaubt, dass Frauen keinen Sex mögen, dann habt ihr bisher entweder etwas falsch gemacht ... ;-)
Oder ihr kennt einfach nicht die richtigen Frauen.

Ja, auch Frauen mögen Sex!
Wir lesen Sex in Büchern, wir reden darüber mit unseren Freundinnen - und wenn ihr Glück habt, auch mit euch! ;-) Und wir haben auch gern Sex! Zumindest mit dem richtigen Mann. Der weiß, was er tut ... ;-) Und ansonsten ... selbst ist die Frau. ;-)

Und nun wünsche ich euch ein tolles Wochenende und gehe die nächste Sexszene schreiben. Meine Protagonisten wollen ja schließlich auch ihren Spaß haben! ;-)

Habt Freude!

Eure Juli

Freitag, 11. Mai 2018

Auf euch!

Es fühlt sich merkwürdig an, diesen Blog zu schreiben, denn eigentlich hatte ich etwas ganz anderes geplant.
Nun gut, während man selbst noch Pläne macht, fällt das Leben im Hintergrund vor Lachen vom Stuhl, oder? ;-)

Heute (nein, gestern, also am 10.5. - während ich diese Worte hier vor mich hin stammele. ;-) )
Also ... heute vor genau 5 Jahren, am 10.05.2013 ist mein allererstes Buch erschienen. Ich habe meinen Debütroman "Eine Chance für die Zukunft" veröffentlicht.

Oh Mann ... 5 Jahre!

Ich erinnere mich noch gut an den Tag. Ich war furchtbar aufgeregt - und irre naiv! (Na ja, das bin ich irgendwie immer noch in vielen Dingen ...)

Damals hatte ich noch kein Facebook-Account, ich hatte keine Ahnung von Werbung und Marketing. Ich hatte nur ein Buch und ein (ziemlich schlechtes) Cover. ;-) Ach ja, und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie man eigentlich E-Books formatiert. Sonst hätte ich es ja nicht veröffentlichen können. ;-)
Ich hatte die Geschichte um Annie und Colin eigentlich für mich geschrieben und nur auf Drängen meiner besten Freundin (HDL, Ani! :-* ) veröffentlicht. Ich dachte, wer sollte sich schon dafür interessieren, was ich zu erzählen habe? Es gibt hunderte, nein tausende von Autoren, die viel, viel besser schreiben als ich. Ich dachte, wenn ich überhaupt 10 E-Books verkaufe, dann ist das schon ein riesengroßer Erfolg. Aber trotzdem wollte ich versuchen, ein paar Leute zu erreichen. Vielleicht gab es da draußen ja jemanden, der meine Geschichte mochte.

Was dann passierte, kommt mir bis heute wie ein Traum vor.
Innerhalb des ersten Tagen waren nicht nur 10 E-Books verkauft, es waren hunderte. Mein Ranking kletterte und das E-Book landete beinahe sofort in den allgemeinen Top100 bei Amazon. Damals begriff ich nicht, was das bedeutete. Wie schwierig es war, in ein solches Ranking zu kommen und solche Verkaufszahlen zu haben - und ganz ehrlich, es war mich auch egal. Ob nun 10 oder 500 - wichtig war mir nur, dass es Menschen gab, die mein Buch lasen. Allein die Vorstellung, dass nun Leute auf ihrer Couch oder in der Badewanne oder im Bett lagen und meine Annie und meinen Colin kennenlernten, gedanklich mit mir nach Boothbay Harbor reisten - WOW! Unfassbar!

Ja, und irgendwie ist es das bis heute. Mittlerweile habe ich 9 Bücher allein und 15 gemeinsam mit Ben veröffentlicht! 24 Bücher!
Ich lebe hauptberuflich vom Schreiben und es ist noch immer so, dass alle meine Bücher meine Babys sind, die ich von ganzem Herzen liebe!
Auch 5 Jahre später bin ich sofort mega aufgeregt und nervös, wenn mir jemand erzählt, dass er ein Buch von mir liest. Von MIR! Dem Dorfkind aus dem Norden. ;-)

Eigentlich wollte ich dieses kleine Jubiläum mit euch allen feiern. Eine große Party steigen lassen mit Champus und Häppchen - oder zumindest mit einem Gewinnspiel und tollen Preisen auf FB. ;-)

Tja, leider habe ich meine Pläne nicht so ganz in die Tat umsetzen können, da mir die Gesundheit einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Wie die meisten von euch wissen, war ich bis vor zwei Wochen im Krankenhaus und ich bin leider noch nicht wieder richtig fit. Zumindest nicht fit genug, um innerhalb von zwei Wochen eine Jubiläumsparty zu organisieren ... ;-)

Stattdessen stoße ich in aller Ruhe gedanklich mit und auf euch alle an.
Denn eins weiß ich - und das mache ich mir jeden Tag wieder bewusst! - ohne euch wäre ich jetzt nicht hier. Ich hätte es nie geschafft, meinen Traum zu verwirklichen und Schriftstellerin zu werden. Ohne euch, die ihr meine Geschichten lest, sie rezensiert, die ihr mit mir auf FB befreundet seid, mir auf Instagram folgt.
Ihr Lieben seid es, die mich mit ihren zauberhaften Worten und Taten immer unterstützt und an meiner Seite bleibt - auch wenn ich mal nicht so funktioniere, wie ich sollte. Und auch, wenn das Schreiben (so wie momentan) mal gar nicht voran geht ...

Ich kann euch gar nicht sagen, wie dankbar ich bin, dass es euch gibt - jeden einzelnen von euch! Und ich hoffe, ihr bleibt mir auch weiter treu - auch wenn ich mal nicht so schnell bin, ein neues Buch herauszubringen. ;-)

Einen kleinen Ausblick möchte ich euch noch geben, wie es in naher Zukunft weitergeht.

Kerry habe ich ja nach knapp fünf Jahren in Rente geschickt und Juli ist an ihre Stelle getreten. ;-)
Ich bin guter Dinge, dass es in diesem Jahr noch mindestens einen - vielleicht sogar zwei - Romane von mir geben wird.
Irgendwann - wenn die Zeit dafür reif ist - kommt auch noch ein gemeinsamer Syltroman mit Ben. Er ist eigentlich bereits fertig, muss sich aber noch ein bisschen gedulden, bis Ben und ich es schaffen, ihn in die große weite Welt zu entlassen.
Meine Bücher sind halt meine Babys ... Und das Loslassen fällt als "Mama" manchmal schwer. ;-)

Fühlt euch alle ganz fest gedrückt!
Danke, dass es euch gibt!

Eure Juli






Freitag, 4. Mai 2018

Wo ist die Zwischenwelt?

Hey ihr Lieben! 

Erinnert ihr euch noch an das Pärchen vom Bahnhof? Die Kurzgeschichte über die "Zwischenwelt", die ich vor ein paar Wochen über die beiden geschrieben habe? (Wenn ihr sie verpasst habt - HIER könnte ich sie noch mal nachlesen. ;-) ) 

Die beiden lassen mir keine Ruhe und irgendwie würde ich nur zu gern wissen, wie es weitergeht. 
Ob sie auf dem Weg zu ihrem Happy End sind? Oder ob sie sich nie wiedersehen? Sind die beiden noch so verliebt wie an dem Tag auf dem Bahnhof? Oder hat einer von ihnen den anderen bereits vergessen? Ganz ehrlich, ich weiß es leider nicht. :-(

Tja, eigentlich wollte ich genau das herausfinden und für heute eine Fortsetzung der Geschichte schreiben. Aber leider ... an manchen Tagen schaffe ich es nicht, an romantische Gefühle auch nur zu denken. Vielleicht kommt der zweite Teil noch irgendwann. Mal schauen ... 

Stattdessen habe ich euch heute etwas anderes mitgebracht. ;-) 

Das erste Kapitel meines neuen Romans habe ich euch ja in zwei Etappen schon gezeigt und da ich demnächst (hoffentlich ...! ;-) ) mit Hochdruck daran weiterschreiben werde, bekommt ihr heute schon mal den nächsten Teil - den Anfang des zweiten Kapitels. :-) 

Wer zum Reinkommen noch einmal das erste Kapitel lesen möchte, bitte hier entlang ... ;-) *klick*

Das Copyright liegt natürlich bei mir und ansonsten gilt wie immer - wer Fehler findet, darf sie behalten. ;-) Das ist die Rohversion und wird vor erscheinen noch so sieben- bis achttausend Mal überarbeitet ... ;-) 

Ich wünsche euch viel Spaß! <3 

Eure Juli



2.

Völlig übermüdet saß ich im Besprechungsraum im Bürotrakt des Kaufhauses und starrte stumpf in meine Kaffeetasse. Immer wieder musste ich ein herzhaftes Gähnen unterdrücken, während die anderen Mitglieder der Führungsetage nach und nach eintrudelten und sich einen Platz am großen Tisch suchten.
„Darf ich?“ Ich schreckte zusammen, als mich eine unbekannte Stimme ansprach. Verwirrt sah ich zu dem Mann auf, der mich fragend musterte und auf den leeren Stuhl neben mir deutete. Erst jetzt begriff ich, was er meinte.
„Ähm ja, klar!“
„Zeller ist mein Name. Ich bin der Neue in der Personalabteilung“, stellte der Mann sich freundlich lächelnd vor, nachdem er sich gesetzt hatte.
„Freut mich, Flindt. Dann haben Sie sich ja quasi selbst eingestellt.“
Verwirrt musterte Herr Zeller mich, dann verstand er und schüttelte lachend den Kopf.
„Entschuldigung, das war wohl nicht einer der besten Scherze. Schieben Sie es auf meinen Koffeinmangel.“ Erneut unterdrückte ich ein Gähnen und nahm stattdessen einen Schluck von meinem Kaffee.
„Oje, das klingt nach einer harten Nacht! Mehr Kaffee?“ Mitfühlend musterte Herr Zeller mich und ich schob nickend meine Tasse zu ihm hinüber, als er nach der auf dem Tisch stehenden Thermoskanne griff.
Dankbar lächelte ich Herrn Zeller an, als die Stimme meiner Mutter durch den Raum klang.
„Schön, dass Sie alle pünktlich sind. Fangen wir an.“ Innerlich rollte ich mit den Augen, denn mir war klar, dass sie mich mit dem Kommentar über die Pünktlichkeit meinte.

Während meine Mutter ihre übliche Ansprache hielt, ließ ich meinen Blick auf ihr ruhen, als würde ich gebannt zuhören, doch meine Gedanken schweiften ab zur letzten Nacht. Nachdem ich gegen halb eins endlich die Präsentation fertig gehabt hatte und glücklich in meinem Bett lag, dauerte es keine drei Minuten und ich war tief und fest eingeschlafen. Leider nur kurz, denn dann beschloss Paula, dass es Zeit für ihre Milch war.
Normalerweise bereitete ich die Flasche abends vor dem Zubettgehen vor, sodass ich nachts nur noch das abgekochte Wasser aus der Thermoskanne hinzufügen musste, doch heute hatte ich es vergessen. Dementsprechend lange dauerte es, bis ich meine hungrige Tochter versorgen konnte. Als sie endlich wieder schlief, blieben mir noch ganze dreieinhalb Stunden, bis mein Wecker mich nötigte, mein warmes Bett zu verlassen, um erst mein Baby zur Tagesmutter zu bringen und dann selbst ins Büro zur Sitzung zu eilen.
„Frau Flindt, wenn Sie dann so freundlich wären, auch gedanklich wieder zu uns zu stoßen? Dann könnten wir mit Ihrer Präsentation für neue Werbemaßnahmen weitermachen. Oder spricht etwas dagegen?“
Ich spürte, wie mir die Hitze in die Wangen schoss, als meine Mutter mich mit hochgezogenen Augenbrauen vorwurfsvoll anschaute und vor der versammelten Führungsriege maßregelte. Natürlich hatte ich diesen Anschiss verdient, dennoch war es mir peinlich, und es wurde auch nicht besser, als ich Herrn Zeller neben mir glucksen hörte, als müsste er ein Lachen unterdrücken. Kurz funkelte ich ihn böse an, was er nur mit einem frechen Grinsen quittierte, dann griff ich nach meinen Unterlagen und ging nach vorn.

Kaum war die Besprechung beendet, sah ich zu, dass ich aus dem Raum kam. Ich mochte es nicht sonderlich, vor Leuten sprechen zu müssen, erstrecht nicht nach einer schlaflosen Nacht, wenn ich Augenringe hatte, wie ein Waschbär auf Drogen, und kaum einen geraden Satz herausbrachte. Dies jetzt war einer der Momente, in denen ich bereute, dass ich mit dem Rauchen aufgehört hatte. Wie gern würde ich mir jetzt ein paar Minuten Auszeit nehmen und den beruhigenden Rauch inhalieren. Einfach die Augen schließen, den Vögeln auf dem Hof hinter dem Kaufhaus lauschen, mein Gesicht in die warme Frühlingsonne halten und ein paar Minuten nichts tun. Warum hatte ich eigentlich aufgehört zu rauchen? Ich schob meine merkwürdigen Gedanken auf die Übermüdung und machte mich auf den Weg zu meinem Büro. Eigentlich war ich sehr froh darüber, dass ich es vor mittlerweile über zwei Jahren geschafft hatte, von den Glimmstengeln loszukommen.
„Frau Flindt?“
Die Hand schon auf der Türklinke drehte ich mich um, als jemand meinen Namen rief. Herr Zeller war es, der lächelnd auf mich zueilte.
„Ich wollte mich nur bei Ihnen entschuldigen. Es tut mir leid, dass ich vorhin so lachen musste, als Sie zusammengestaucht wurden. Ich wollte Sie damit nicht verletzen, aber Ihre Mutter …“ Er brach ab, als wäre er unsicher, was er mir gegenüber über meine Mutter sagen durfte. So war es bei den meisten Kollegen. Ich wusste, dass sie keine einfache Chefin war, dass sie extrem hohe Ansprüche stellte und wer nicht funktionierte, wurde eiskalt abgemahnt, doch niemand wagte es in meinem Beisein, ein schlechtes Wort über sie zu verlieren. Als wäre ich ihr Spion und würde alles sofort brühwarm an sie weitergeben. Niemand sah, dass die Ansprüche, die meine Mutter an mich stellte, deutlich höher waren, als die an den Rest der Belegschaft. Sie forderte einhundert Prozent Leistung vom Personal – von mir allerdings mindestens zweihundert. Da ich wusste, dass Herr Zeller nicht weiterreden würde, drehte ich mich wieder zu Tür.
„Warten Sie!“ Erneut hielt der neue Personalchef mich auf und legte mir die Hand auf den Unterarm, damit ich ihn anschaute. „Ich wollte Ihnen noch sagen, dass ich Ihre Ideen, das neue Marketingkonzept und die Umstellung der Kollektionen großartig finde. Ich meine, ich habe keine wirkliche Ahnung von Mode, ich kenne mich nur mit dem Personal aus, aber ein wenig altbacken ist die Kaufhauskette ja schon. Jedenfalls habe ich vor meiner Anstellung nie einen Fuß in einen der Läden gesetzt, weil ich immer das Gefühl hatte, die Klamotten wären eher für die Generation meiner Eltern. Oder Großeltern …“ Ein verschämtes Grinsen legte sich auf seine Lippen, als wäre ihm dieses Geständnis unangenehm. Doch ich wusste genau, was er meinte.
„Ja, so ist es. Und genau dafür bin ich da – um das zu ändern. Damit wir mehr jüngere Kundschaft ansprechen. Mode für betuchte, ältere Damen und Herren, die sich auch genauso gediegen kleiden möchten, gibt es in Hamburg mehr als genug. Was mir fehlt, ist die jüngere Generation, die ausgesuchte, qualitativ gute Kleidung wünscht, und nicht in einer der ganz großen Ketten Ware von der Stange kaufen möchte, sondern ein wenig exklusiver“, erklärte ich Herrn Zeller und er nickte.
„Das kann ich verstehen. Die Zeit wandelt sich und damit auch die Kundschaft. Wir müssen am Ball bleiben, bevor die Konkurrenz es macht.“
„Nicht Konkurrenz. Mitbewerber!“, korrigierte ich lachend und Herr Zeller stieg mit ein.
„Oh stimmt! Das klingt gleich viel netter“, bestätigte er grinsend. Wieder fiel mir dieses schalkhafte Funkeln in seinen Augen auf. Ich kannte ihn zwar erst seit heute Morgen, doch er schien sehr nett zu sein. Vielleicht ergab sich ja nun häufiger die Gelegenheit für ein kurzes Gespräch. Ich hatte nicht sonderlich oft die Gelegenheit, mich mit Erwachsenen zu unterhalten. Entweder ich war hier in der Firma, wo die Kollegen auf Abstand zu mir, der Tochter der Chefin, gingen, oder ich hatte mit meinem Baby mehr als genug zu tun. Einzig das wöchentliche Gespräch mit den Großeltern der väterlichen Seite meiner Tochter waren die Möglichkeit, mich einmal vernünftig auszutauschen.
„Vielleicht sehen wir uns die Tage ja mal in der Teeküche oder gehen in der Mittagspause einen Kaffee trinken. Dann könnten Sie mir noch ein bisschen mehr über das Modegeschäft erzählen“, schlug Herr Zeller vor, als hätte er meine Gedanken gelesen.
„Ja, sehr gern. Sie wissen ja, wo Sie mich finden.“ Ich deutete hinter mich auf das Schild neben der Tür zu meinem Büro, auf dem in schwarzen Lettern „Nele Flindt, Marketing“ stand. „Meine Bürotür steht Ihnen jederzeit offen. Ich würde mich freuen.“
„Dann bis bald. Ich freu mich auch!“ erwiderte Herr Zeller. Gerade als er sich abwandte, schallte ein Ruf quer über den Flur.
„Toby? Hör auf zu flirten und komm. Zeit für die Mittagspause.“
Die Antwort, die Herr Zeller dem Kollegen gab, bekam ich nicht mehr mit. Wie hinter einem Schleier versank die Welt um mich herum. Ein eisernes Band legte sich um meinen Brustkorb und nahm mir die Luft zum Atmen.